Montag, 30. Dezember 2013

Oxford Tales VIII: Ein Fazit zum Schluss

In der Reihe „Oxford Tales“ berichte ich in loser Folge über verschiedene Aspekte meines Erasmusaufenthalts an der University of Oxford.

Das Jahr geht seinem Ende entgegen und so ist es Zeit für mich, diese Reihe mit einem Fazit zu beenden.

Was habe ich von Oxford mitgenommen? Einige Freunde, zahlreiche Bücher und vor allem viele, viele Eindrücke und Erfahrungen. Natürlich waren diese Erfahrungen nicht zuletzt juristischer Art. Oxford hat mir die Türen geöffnet zu einem faszinierenden Rechtssystem und mir neue Fragen oder neue Sichtweisen auf alte Fragen gezeigt. Insbesondere Großbritanniens Verfassungsrecht, Rechtstheorie und politische Theorie werden mich wohl noch auf Jahre hinaus beschäftigen.

Radcliffe Camera, Bodleian Library

Aber nicht nur inhaltlich war das Jurastudium in Oxford anregend, sondern auch methodisch. Erst vor Kurzem ist mir aufgegangen, dass das wohl das eigentlich Faszinierende am Oxforder Lehrsystem ist: die Benutzung der drei klassischen Kulturtechniken Lesen, Schreiben und Reden – und dass darin auch der große Kontrast zum deutschen System besteht. Ein Student in Oxford verbringt seine Woche damit, Gerichtsentscheidungen und anspruchsvolle wissenschaftliche Texte zu lesen (in Deutschland ist ja tendenziell schon das Lehrbuch überfordernd, weil nicht auf die studentische Anforderungen des Klausurschreibens ausgerichtet, und muss folglich allzu oft dem Skript weichen – ich selbst darf mich da übrigens nicht zu den Ausnahmen zählen). Das Gelesene ist sodann in einem Essay zu verarbeiten, der Kenntnis des Rechts, wissenschaftliche Argumentation und eigenen Beitrag erfordert (wohingegen Schreiben im deutschen Jurastudium sich fast ausschließlich darauf beschränkt, in Klausuren eine Sprache, die verhunzt wird, weil die Erfordernisse des Gutachtenstils falsch verstanden werden – wie ja auch Professoren ‚vorliegend‘ nicht beispielsweise das Tigerfell bei „Dinner for One“ sein lassen, sondern ungestraft Sätze anbieten wie „Vorliegend könnte ein Fall des Ermessensfehlgebrauch vorliegen“ –, sowie eine pseudo-wissenschaftliche Argumentationsweise in Hausarbeiten zu pflegen). Zu guter Letzt wird in Oxford im Tutorial über das Recht gesprochen, d.h. diskutiert (während in deutschen Hörsälen oft schon eine Nachfrage als exzessiver Dialog gilt, zumindest vonseiten der Studenten).

Bridge of Sighs, Hertford College
(Fotos: R. Kaiser)

Und dann waren da die ganzen Erfahrungen, die man zusammen mit anderen Studenten im und außerhalb des College macht, und die Eindrücke, die man einfach deshalb gewinnt, weil man in dieser schönen Stadt lebt und eine altehrwürdige und exzellente Universität besucht.

Schon allein dieser Erfahrungen und Eindrücke wegen – jenseits fachlicher Erkenntnis-gewinne – ist Oxford ein fesselnder Studienort und war mein Aufenthalt dort die wohl spannendste Zeit meines Studiums. Abgesehen von der Ergebnisverkündung des Staatsexamens in ein paar Jahren...

The End

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