Sonntag, 12. Mai 2013

Drosselkom im Visier

Die Telekom ernet für ihre Pläne, ab 2016 (für Verträge, die ab dem 02. Mai geschlossen wurden), sogut wie überall Kritik. Ob in der Tageszeitung, in Online-Blogs und Blawgs ... niemand scheint Verständnis für das Leid des ehemaligen Staatskonzerns zu empfinden. Dabei hilft nicht unbedingt, dass die Begründung für die Drosselpläne (der Netzausbau), von namhaften Routerherstellern als „hanebüchen“ abgewiesen wird.

Vollkommen logisch ist gleichwohl, dass die Telekom den eigentlichen Grund für die Drosselpläne, namentlich die bessere Platzierung am Markt durch die extensive Bevorzugung von eigenen und Partnerdiensten, nicht laut aussprechen möchte. Muss sie ja auch gar nicht, denn das ist jedem Leser mit einem Fünkchen rechtlichem und technischen Verstand sofort klar.

Was ich dazu aber eigentlich sagen wollte: Ich halte die Entscheidung der Telekom für vertretbar. Der Provider ist eben ein Unternehmen - und dazu gehört das unternehmerische Handeln. Und für das Unternehmen mit der Sorgfalt des ordentlichen und gewissenhaften Geschäftsleiters (s. § 93 AktG) Entscheidungen zu treffen, die aller Voraussicht nach den Gewinn steigern - das ist die ureigene Aufgabe des Vorstandes (bei einer AG).

Es gibt nur zwei tatsächliche Kritikpunkte an den Drosselplänen: Erstens ist das die Bevorzugung bestimmter, ausgesuchter Drittunternehmen bzw. eigener Produkte gegenüber dem ganzen Rest nachvollziehbar, trägt aber den Mief des Schutzgeldes (Es wäre doch schade, wenn beim Großteil der Nutzer ihres Dienstes ... jemand drosselte ...), zumal beim Platzhirschen auf dem Markt. Deshalb: Gerne drosseln, aber dann bitte alles. Gleichzeitig könnte man so von der Dose der Netzneutralität Abstand nehmen - es würden ja alle Pakete gleich langsam befördert.

Zweitens: Die Bezeichnung Flatrate für eine gedrosselte Datenrate von 384kbps, die bei heutigen Dateigrößen im Internet effektiv einer Kappung des Anschlusses gleichkommt, ist meines Erachtens ein UWG-Verstoß. Was die Telekom letztlich will, ist die Rückkehr zu den Volumentarifen - das muss aber dann zukünftig ganz klar auch in der Reklame wieder zum Ausdruck kommen. In einem ähnlichen Fall vor ca. einem Jahr hat das LG Hamburg etwa schon einstweilig verfügt, dass das Werben mit Highspeed unzulässig sei, soweit bereits bei einem Volumen von mehr als 300 MB gedrosselt werden sollte.

Ob solch eine ehrliche Herangehensweise an das Thema jedoch nicht vielleicht gegen die ordentliche und sorgfältige PR-Arbeit verstieße, wage ich nicht einzuschätzen.

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