Montag, 7. Januar 2013

Bleeding heart liberals

In einigen jurisdictions der Vereinigten Staaten wird noch immer die Todesstrafe verhängt. Die so Verurteilten versuchen natürlich mit allen ihnen zur Verfügung stehenden Mitteln (und das sind oftmals nicht viele), die tatsächliche Exekution hinauszuzögern oder im Nachhinein zumindest in eine lebenslange Gefängnisstrafe umzuwandeln.

Nun ist es meiner Meinung nach keine Frage, ob die Todesstrafe verhängt werden darf. Sie ist ein barbarisches Überbleibsel aus längst vergangenen Zeiten, anfällig für nicht wiedergutzumachende Fehler und die oft-beschworene Abschreckungswirkung bleibt eben genau das – oft beschworen. Jedes zivilisierte Land täte gut daran, sich endlich von dieser Tradition zu lösen, die nur in solchen Kreisen verteidigt wird, welche sich mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit niemals aus der Sicht des Beschuldigten mit ihr befassen werden müssen.

Man sagt oft (frei nach Ihering), die Form sei die Schwester der Freiheit. Der Satz ist selbstverständlich wahr und wer Kampf ums Recht gelesen hat, wird mit dem Autor dort auch zumindest bei diesem Satz übereinstimmen. Mit Freiheit hat jedoch die Todesstrafe nicht viel zu tun, was mich zum Schluss verleitet, dass zumindest in dieser Grenzsituation einer staatlichen Exekution auf die Form nicht so viel Wert gelegt werden sollte wie beim Antrag auf eine Baugenehmigung. Nicht so in Atlanta, GA: Wenn man dem Bericht in der New York Times Glauben schenken darf, werden dort Rechtsmittel schonmal verworfen, weil der drogenabhängige Anwalt des death row client vergessen hatte, $154 filing fee zu hinterlegen.

Wenn ich die Kommentare zum Artikel lese, wird mir bewusst, dass zumindest ein Teil der Kommentatoren ähnlich denkt. Jedoch bei weitem nicht jeder. So erklärt etwa der Kommentaror „Paul“:
The bleeding heart liberals are out in force. This death row prisoner was overwhelmingly proven guilty as charged. yet he decided to waste precious legal service resources to delay his rightful execution. Wait until someone you love is murdered. We'll see if you are so willing to forgive and forget then.
Blogger fefe würde hier wohl anmerken: Die Zivilisationsdecke ist eben dünn. Und mehr fällt mir ehrlich gesagt auch nicht mehr dazu ein.

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen