Montag, 15. Oktober 2012

Oxford Tales III: University of Oxford

In der Reihe „Oxford Tales“ berichte ich in loser Folge über verschiedene Aspekte meines Erasmusaufenthalts an der University of Oxford.

Seit Samstag bin ich nun offziell Mitglied der Universität Oxford. Zeit, um hier einmal über die Universität zu berichten.

Die University of Oxford ist eine der ältesten Universitäten der Welt. Ein festes Gründungs- datum gibt es nicht. Unterrichtet wurde hier bereits im Jahr 1096. Der akademische Aufstieg Oxfords begann, als Heinrich II. 1167 den Engländern verbot, an der Universität Paris zu studieren. Damit ist Oxford nach den Universitäten von Bologna und Paris die drittälteste Universität Europas und die älteste Universität der englischsprachigen Welt.

Nach Gewaltätigkeiten flohen 1209 einige Professoren und Studenten nach Cambridge, um dort die Universität Cambridge zu gründen. Die Universitäten Oxford und Cambridge werden heute gemeinhin unter dem Begriff Oxbridge zusammengefasst, um ihre gemeinsamen Besonderkeiten zu unterstreichen:
  • Sie sind die beiden ältesten Universitäten Englands.
  • Sie haben ähnliche Institutionen entwickelt, wie etwa Museen, Verlage, botanische Gärten oder Debattierklubs.
  • Sie haben viele bedeutenden Persönlichkeiten der Wissenschaft, der Politik und der Künste hervorgebracht.
  • Sie stehen in traditionsreicher akademischer und sportlicher Rivalität, z.B. beim alljährlichen Boat Race.
  • Sie führen regelmäßig Universitätsrankings in Großbritannien an und zählen auch weltweit zu den besten Universitäten.
  • Sie haben beide die College-Struktur (dazu sogleich).
  • Ihre Wissenschaftler und Studenten werden als elitäre soziale Klasse angesehen.

Die Universität Oxford hat über 21000 Studenten, davon knapp 12000 undergraduates und gut 9000 postgraduates. Die Uni ist eine Art Föderation und besteht aus 38 Colleges und sechs (kirchlich betriebenen) Permanent Private Halls. Die Zentralverwaltung der Uni ist für Matrikulation und Examen zuständig und betreibt die Fakultäten der verschiedenen Fächer. Alle Studenten gehören neben der Universität auch einem College oder einer Hall an. Das College stellt nicht nur die Unterkunft, sondern trägt auch wesentliche Verantwortung für die Lehre. Entsprechend gehören auch die meisten Wissenschaftler neben der Universität auch einem College an.

Mitglied der Universität wird ein Student, indem er an der Matriculation Ceremony teilnimmt. Für die neuen Studenten dieses Jahrgangs wurde sie am Samstag abgehalten.

Die Zeremonie findet im Sheldonian Theatre in der Altstadt Oxfords statt. Allerdings ist das Theater bei weitem nicht groß genug, um alle neuen Studenten der Universität aufzunehmen. Also werden immer nur die Studenten von drei Colleges gleichzeitig immatrikuliert.

Für die Immatrikulation müssen die Studenten subfusc und academic dress tragen. Die Kleidervorschriften für subfusc lauten für Männer wie folgt:
  • Dunkler Anzug (schwarz, dunkelgrau, -blau oder -braun) mit dunklen Socken
  • Schwarze Schuhe
  • Weißes Hemd
  • Weiße Fliege
Für Frauen:
  • Schwarzer Rock oder schwarze Hose
  • Schwarze Schuhe
  • Schwarze Strümpfe
  • Weiße Bluse
  • Schwarzes Band
Seit diesem Jahr ist die Kleidervorschrift allerdings nicht mehr geschlechtsspezifisch, sodass nicht mehr zwischen Männern und Frauen unterschieden wird.

Zum subfusc wird academic dress, bestehend aus einem schwarzen gown (Umhang) und einem schwarzen mortarboard (wie ein Doktorhut), getragen. Ein gutes Beispielfoto findet sich hier.

Die Matriculation ceremony selbst ist nur ein kurzer Akt. Der Senior Dean und der Vice-Chancellor der Universität tauschen ein paar Sätze auf Latein aus, durch die die anwesenden Studenten zu Mitgliedern der Universität werden. Anschließend hält der Vizekanzler eine Rede (auf Englisch), nach deren Ende alle Studenten möglichst schnell das Gebäude verlassen müssen, damit die nächsten Studenten immatrikuliert werden können. Ein Video einer der Zeremonien vom Samstag gibt es bei youtube.

Und so ist man nach einer knappen Viertelstunde offiziell Teil der altehrwürdigen Institution University of Oxford wie so viele junge Leute zuvor in den letzten 800 Jahren.

To be continued...

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