Mittwoch, 3. Oktober 2012

Oxford Tales I: Grüß Gott, Oxford

Dienstag, der 2.10., es ist 14 Uhr Greenwich Mean Time British Summer Time. Ich sitze zum ersten Mal in meinem Zimmer in Oxford, das mir während meines Erasmusaufenthalts Schlaf- und Arbeitsplatz sein wird. Eine ordentliche Größe hat es und auch die Ausstattung ist gut: Zu einem Bett, das zugegebenermaßen weniger breit und lang als mein eigenes ist, gesellen sich ein Schreibtisch, hinter dem noch der ehemalige fireplace zu erkennen ist, ein Schreibtischstuhl, ein Schrank, ein Regal und eine Kommode. Der Lehnstuhl mutet da schon fast wie unnötiger Luxus an. Neben den braunen Möbeln, dem hellroten Bezug der Stühle und dem Teppichboden, der sich durch rote Tupfen auf blauem Grund auszeichnet, sorgen die bunten Gardinen für die nötige Auffrischung im Raum.

„Nun bin ich also in Oxford“, denke ich mir. Endlich wieder in Großbritannien zu sein, darüber hatte ich mich schon am Flughafen Heathrow gefreut. Die Briten machen es einem leicht, sich in ihrem Land wohl zu fühlen. Schon der Herr von der border control ist überaus freundlich, als ich ihm meinen Pass reiche: „Good morning to you. How are you doing today?“ Und der Fahrer des Busses nach Oxford plaudert mit mir über Golf, auch wenn ich seine Frage, wo ich denn in Oxford aussteigen wolle, nicht auf Anhieb verstanden hatte.
Vom Busbahnhof in Oxford musste ich noch zehn Minuten bis zum College gehen. Etwas überrascht sehe ich plötzlich neben mir die Eingangstür, von der ich im Internet schon ein Foto gesehen hatte. Ein verstohlener Blick bestätigt es mir. Hier ist es: Somerville College.

In der Green Hall bekomme ich meinen Zimmerschlüssel, Informationsblätter, meine University Card und noch eine schnell erstellte Access Card, mit der ich die Gebäude des Colleges betreten kann.

Von Green Hall aus ist mein Zimmer etwas versteckt gelegen. Es geht Treppen hoch und runter. Aber – wie ich später feststelle – eigentlich liegt es sehr nah an der Tür des angrenzenden Gebäudes Darbishire. Alle Gebäude tragen Namen, deren Bedeutung sich meist nicht sofort erschließt. Beim Margaret Thatcher Conference Centre ist es leicht. Das soll die Iron Lady ehren, die berühmteste Absolventin von Somerville College.

Im Zimmer angelangt, heißt es erst mal Sachen auspacken und einräumen. Das geht ziemlich schnell. Allzu viel lässt sich in einem einzigen Koffer eben nicht transportieren. Die Erstsemester, die alle wie ich am 2.10., ankamen, spielen da in einer anderen Liga. Aus dem Fenster blickend, sehe ich, wie die Freshers und ihre Eltern Koffer um Koffer und Kisten um Kisten ins College schleppen.
Ich hingegen mache mich erst einmal auf in die Innenstadt. Denn das College stellt mir zwar ein Bett. Aber zum Bett dazu nur Matratze und zwei Kopfkissen. Also gehe ich zu Marks & Spencer und kaufe mir eine Bettdecke und Bezüge.

Nachdem ich die Sachen in mein Zimmer gebracht habe, verbringe ich den Nachmittag damit, noch ein bisschen die Innenstadt zu erkunden, ein paar Sachen zu kaufen und mich im College umzusehen.

Am frühen Abend wird zur Begrüßung der Freshers gegrillt. Auf die Idee eines Barbecue Anfang Oktober können wohl nur die Briten kommen. Denn natürlich regnet es. Aber immerhin gibt es ja ein Zelt. Und so kann ich die ersten anderen Collegebewohner kennenlernen. Das Wort Kaiser ist den Briten übrigens ein Begriff und wird sofort als deutsches identifiziert. War halt doch nicht irgendein Krieg, sondern the Great War.

Ebenso früh, wie der Tag begonnen hatte, endete er dann auch. Im Bett im Zimmer im College in Oxford.

Unter dem Titel „Oxford Tales“ werde ich von nun an in loser Folge über verschiedene Aspekte meines Erasmusaufenthalts an der University of Oxford berichten. Auch wenn die weiteren Beiträge der Reihe nicht mehr so tagebuch-artig wie dieser verfasst sein werden, werden sie wohl doch einen etwas persönlicheren Einschlag als die üblichen Blogartikel haben. Der geneigte Leser möge dies entschuldigen oder begrüßen.

Kommentare:

  1. Oh, schön! Hab mich schon gefragt, wann der erste Bericht kommt. Ich bin gespannt auf deine Erfahrungen, aber vor allem, have fun! :)

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  2. Hurra, wie schoen von dir zu hoeren! Liebe Gruesse, Lena + Gregor

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