Donnerstag, 19. Juli 2012

Volkes Stimme spricht

Gestern hat das Bundesverfassungsgericht geurteilt, dass die bisherige Höhe der Geldleistungen an Asylsuchende verfassungswidrig ist.

In den Onlinekommentaren der Zeitungen geben die Leser ihrer Meinung nun freien Lauf. Volkes Stimme spricht. Und sie zeigt mal wieder: Ausländerfeindliche Vorurteile sind kein Randphänomen, sondern mitten in der deutschen Gesellschaft verankert.

Stefan Niggemeier hat sich die Mühe gemacht, Lesermeinungen der „Bild.de-Community“ zusammenzustellen. Ein gewisser Otto Ottokar meint, man müsse sich nach diesem weltfremden Urteil nicht über rechtsextremistische Tätigkeiten à la NSU wundern. Ohja, in der Tat, nach Lektüre der Leserkommentare wundert man sich nicht über den NSU. Aber das habe ich auch vorher schon nicht. Zu gut kenne ich doch den „entspannten Patriotismus“, der in Deutschland seit der WM 2006 herrscht.

Und nicht nur die Bild-Leser, die ja von ihrem Hausblatt sowieso gegen alles gehetzt werden, was sozial noch unter ihnen steht (Hartz-IV-Empfänger und Asylsuchende), oder was sonst gut als Zielobjekt von Ressentiments dient (Griechen), sind erzürnt. Auch das Bürgertum ist ja inzwischen verunsichert (Abstiegsängste; „Muss mein Kind mit Türken auf die Schule gehen?“) und entsprechend sind auch viele Kommentare bei Spiegel oder FAZ nicht besser, nur einfach besser formuliert.

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