Freitag, 13. April 2012

OLG Koblenz: Kein grober Behandlungsfehler

Was beck-aktuell heute berichtet, ist ein wohl gerade in Zeiten des Internets häufiger auftretender Sachverhalt: Der Patient geht schon mit einer vorgefertigten Diagnose zum Arzt, stellt die sehr überzeugend dar (gut, vorliegend war der Patient sogar von Beruf Rettungssanitäter) und der Arzt handelt danach.

Dem hält das OLG Koblenz jetzt entgegen (Leitsätze, nicht rechtskräftig):
1. Grundlage jeder ärztlichen Behandlung muss die sorgfältige, medizinisch umfassende Befragung des Patienten sein. Eine akute starke Schmerzsymptomatik der linken Körperseite erfordert die ärztliche Feststellung, wann die Schmerzen am Untersuchungstag erstmals aufgetreten sind und wie sie sich im Einzelnen entwickelt haben. Ein scheinbar ähnliches, jedoch viele Monate zurückliegendes Ereignis, aus dem der Patient irrige Schlüsse zieht, darf einen Orthopäden bei Fehlen jedweder Brückensymptome nicht zu der Annahme verleiten, eine Erkrankung auf internistischem Gebiet sei ausgeschlossen.
2. Werden Leitsymptome eines Herzinfarkts eines 36 - Jährigen unzutreffend als orthopädische Erkrankung diagnostiziert, liegt in der versäumten internistischen und kardiologischen Sachaufklärung nicht ohne Weiteres ein grober Behandlungsfehler des Orthopäden. Ihm ist jedoch ein ebenfalls zur Beweislastumkehr führender Befunderhebungsmangel anzulasten.
 Beschluss des OLG Koblenz vom 30. Januar 2012, 5 U 857/11 = BeckRS 2012, 04311.

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