Mittwoch, 18. April 2012

Erbsenzählerei

Ja, die Juristen nehmen es manchmal mit dem Wortlaut zu genau. Wenn man sich einige Streitstände näher anschaut, gibt es aber durchaus auch solche Meinungen, die den Wortlaut nur als eher unverbindliche Richtlinien ansehen, statt als absolute Grenze der Auslegung.

Trotzdem gibt es immer mal wieder Erbsenzähler, die sich im Stile sog. Grammar-Nazis größerer bis hin zu kleinsten Fehlern in Satzbau und Rechtschreibung annehmen. Manchmal sind sogar einzelne Buchstaben wichtig: Wenn, wie oft in Sachverhalten, die Personen keine vollen Namen haben, sondern schlicht A und B heißen und man die beiden Buchstaben versehentlich vertauscht, hat man schließlich ein Problem.

Und nun muss ich mich gezwungenermaßen outen, selbst auch gewisse erbsenzählerische Tendenzen zu haben (denn sonst fände dieser Blogeintrag zu keinen Ende mehr). IdR beschränke ich mich bei der Erbsenzählerei aber auf solche Fälle, die zumindest dem Amusement des geneigten Lesers förderlich sein können (unter Zugrundelegung meines eigenen Humors, versteht sich).

So las ich dann auch gerade eben in der Pressemitteilung des BGH Nr. 48/2012 zum Fall der Aachener Gefängnisausbrecher folgenden Satz:
Während ihrer mehrtätigen Flucht von Aachen über Köln, Essen und Mülheim nahmen die Angeklagten mehrere Personen als Geißel [sic], die körperlich unverletzt blieben.
Man muss sich schon fragen, wie diese als Geißeln missbrauchten Personen es schafften, unverletzt zu bleiben. Und fast wäre ich mit diesem Schlusssatz selbst in die Falle mit dem bösen Eszett getappt und hätte das alte „mißbrauchen“ verwandt.

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen