Freitag, 2. März 2012

Der chinesische Eyermann

Der nach dem ehemaligen Präsidenten des Bayerischen Verwaltungsgerichtshof benannte VwGO-Kommentar Eyermann dürfte neben dem Kopp/Schenke einer der Standard-kommentare für die Praxis sein. Doch anscheinend weiß man seine Dienste nicht nur in deutschen Richterstuben zu schätzen. So wurde bereits 2003 eine chinesische Übersetzung herausgebracht. Die chinesische Ausgabe ist für Taiwan (Republik China) gedacht, da deren Verwaltungsprozessrecht sich stark an die VwGO anlehnt.

Die Aufmachung ist wie beim deutschen Original das schlichte Grau der Beck'schen Kurz-Kommentare. Nur innen ist eben alles auf chinesisch. Tja, sollte man meinen. Die Zitate sind nämlich in lateinischem Alphabet beibehalten. Man darf sich das also in etwa folgendermaßen vorstellen:
...中華字海形声词汇与 Renck NVwZ 1989, 117 赤崁樓...
So ein Zitat dürfte den taiwanesischen Richter wohl vor einige praktische Probleme stellen. So muss er das Zitat an sich überhaupt erstmal verstehen, bevor er feststellen kann, dass die NVwZ in der Gerichtsbibliothek gar nicht zu finden ist. Hier könnte natürlich ein Abonnement von beck-online weiterhelfen. Nur ist ein NVwZ-Artikel nunmal auf deutsch geschrieben. Wenn der Richter in Taipeh deutsch kann, dann, ja dann - hätte er sich auch gleich den deutschen Eyermann besorgen können. Allerdings bleibt auch noch die Möglichkeit, sich den Artikel von einem Übersetzer ins Chinesische transferieren zu lassen, und sicherlich werden insbesondere taiwanesische Großkanzleien die ausreichenden Mittel dafür haben. Ob die Argumente aus der NVwZ dann allerdings beim Richter Gehör finden, das steht auf einem anderen Blatt.

Übrigens wurde Erich Eyermann 1935 wegen seiner jüdischen Mutter aus dem Justizdienst entlassen - ganz im Gegensatz zu anderen Kommentarherausgebern wie Otto Palandt oder Theodor Maunz.

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