Dienstag, 31. Januar 2012

Unwort, Unschuldsvermutung, Unrechtsstaat

Wie der Enforcer berichtet, hat die Zeitschrift EMMA einen ganz eigenen Vorschlag für das Unwort des Jahres auf ihrer Homepage unterbreitet:
Nun steht also das „Unwort des Jahres 2011“ fest: „Döner-Morde“. Die Jury der „Gesellschaft für deutsche Sprache“ (fünf Männer, eine Frau) wählte den Begriff, den selbst Innenminister Friedrich verwendete, weil die „folkloristisch-stereotype Etikettierung einer rechts-terroristischen Mordserie“ die Opfer „in höchstem Maße diskriminiert“. EMMA schließt sich der Begründung an, hätte aber auch noch zwei weitere Vorschläge gehabt: „einvernehmlicher Sex“ und „Unschuldsvermutung“. Begründung? Da fragt man am besten Nafissatou Diallo oder Claudia D. oder irgendeine von den 86800 geschätzten vergewaltigten Frauen im Jahr, deren Vergewaltiger nie angezeigt, nie angeklagt oder nie verurteilt wurden.
Achja, diese böse „Unschuldsvermutung“. Was war die noch gleich? Wikipedia, hilf: „eines der Grundprinzipien eines rechtsstaatlichen Strafverfahrens“.

Nun ist Alice Schwarzer ja spätestens seit ihrer Image-Kampagne für BILD (ja, das Blut-Sperma-Titten-Blatt, ganz genau!) völlig diskreditiert. Aber bei so einem Verhältnis zum Rechtsstaat verschlägt es mir (auch noch im Jahr 1 nach dem Kachelmann-Prozess) einfach die Sprache. Aber nachvollziehen kann ich das natürlich schon: Die Unschuldsvermutung gilt ja für Jörg Kachelmann gar nicht, Frau Schwarzer ist ja schließlich von seiner Schuld überzeugt. Anderen geht es ähnlich, zum verständlichen Missfallen von Herrn Kachelmann, der auch rechtliche Schritte vorgenommen hat. Aber dass Jörg Kachelmann sich wehren kann, als Täter dargestellt zu werden - daran ist wahrscheinlich auch dieser böse Rechtsstaat schuld.

Mit Blick auf das eigentlich unterstützenswerte Anliegen des Feminismus fällt mir da spontan ein bestimmtes Wort (oder Unwort?) ein: Bärendienst.

Update: Der Enforcer widmet sich heute erneut Frau Schwarzer und ihrem Verhältnis zu Litigation-PR, Freispruch und Rechtsstaat.

Kommentare:

  1. Was bitte ist
    "das eigentlich unterstützenswerte Anliegen des Feminismus"?
    Das habe ich nicht verstanden.

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    1. Wer das im Jahr 2013 noch nicht verstanden hat, der ist nur zu bedauern.

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