Samstag, 7. Januar 2012

Jura und Bologna

In einem bereits etwas älteren Artikel schreibt die FAZ über Jura und den Bologna-Prozess. Der Autor weist darauf hin, dass deutsche Jurastudenten schon von jeher – auch ohne Bologna-Reform –  jedem internationalen Vergleich standhalten können.

Sicherlich kann sich das Jurastudium nicht jeglicher Reform entziehen. Diese sollte aber in Richtung größerer Wissenschaftlichkeit (wie ich es hier bereits beschrieben habe), nicht in Richtung stärkerer Verschulung gehen. Jura ist ein wissenschaftliches Studium, nicht die Vorbereitung auf einen bestimmten Beruf. Und das Staatsexamen muss beibehalten werden, um das Mindestmaß an Qualität, das für eine Tätigkeit in der Rechtspflege vonnöten ist, sicherzustellen. Und auch das Referendariat muss erhalten bleiben, um die nötige Berufsvorbereitung zu gewähren. Nur durch ein breit aufgestelltes Jurastudium, ein anspruchsvolles Staatsexamen und ein solides Referendariat können wir erreichen, was der FAZ-Autor zu Recht fordert:
Das Land braucht vielmehr Juristen, die mit beiden Beinen im Leben stehen.

Danke an Martin für den Hinweis.

Kommentare:

  1. haltlos!
    "jura sei ein wissenschaftliches studium" ...ist das eine besonderheit? studieren sie mal mathematik, physik oder vielleicht auch ingenieurstechnische studiengänge. diese sind wohl mindestens genauso wissenschaftlich wie jura. weiterhin ist die zahl derjenigen, die sich tatsächlich im späteren beruf mit der rechts-"wissenschaft" auseinandersetzen, wohl doch vergleichsweise sehr gering oder nicht?
    das land bruacht mehr juristen, die mit beiden beinen im leben stehen. selbstverständlich bringen dies juristen mit, die sich 11 semester im realitätsfernen hörsaal mit praktisch wertlosen meinungsstretigkeiten oder äußerst hypothetischen fällen auseinander gesetzt haben. die juristische methodik ist zu lapidar, als das man dazu 9-11 semester bräuchte (ab dem 4 sem. beginnen ja auch schon die wiederholung des stoffes). ein frühe praktische ausbildung sowie die frühe möglichkeit auf spezialisierung schafft juristen, die nicht nur rechtlich, sondern - wie der jurist so schön sagt - auch tatsächlich im leben stehen!

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    1. Ich habe nicht behauptet, dass es eine Besonderheit des Jurastudiums sei, ein wissenschaftliches Studium zu sein. Ich wollte vielmehr gerade der gegenteiligen Behauptung widersprechen, die es als Besonderheit des Jurastudiums ansieht, nicht wissenschaftlich zu sein.
      Genauso ist es aber auch keine Besonderheit der Rechtswissenschaft, dass sich nur wenige der Studenten später wissenschaftlich betätigen. Das gilt für Geistes- wie für Naturwissenschaften. Sollten Studenten nur eine Berufsvorbereitung erfahren, dann können wir unsere Universitäten gleich dicht machen. Dann können wir sagen: Wer Strafverteidiger werden möchte, wird in einer Strafrechtskanzlei ausgebildet; wer Medienanwalt werden möchte, wird in einer Medienrechtskanzlei ausgebildet; wer Richter werden möchte, wird am Gericht ausgebildet; wer Beamter werden möchte, wird in der Verwaltung ausgebildet; und in anderen Fächern dasselbe Spiel. Dass diese Personen dann "tatsächlich" im Leben stehen, bezweifel ich sehr.
      Meinungsstreitigkeiten und rein hypothetische Fälle gefallen mir ebenso wenig wie Ihnen. Das habe ich aber auch im verlinkten Blogbeitrag sowie an anderer Stelle (http://de-lege-lata.blogspot.com/2012/01/jura-und-wissenschaft.html) geschrieben. Dass Sie das nicht gelesen haben, überrascht mich allerdings nicht.
      Im Studium sollte es zunächst darum, gehen, die juristische Methodik (die Sie hier fälschlich mit dem "Stoff" gleichsetzen) und Hintergründe und Kontext des Rechts durch die sog. "Grundlagenfächer" zu vermitteln. Darauf aufbauend müssen die dogmatischen Grundlagen der einzelnen Rechtsgebiete gelehrt werden. In der Examensvorbereitung kann es dann um Falllösung und Meinungsstreits gehen.
      Mit diesem Studium und der Praxisausbildung im Referendariat hat der Jurist dann eine breite Basis und steht mit beiden Beinen im Leben. Wer nur eine praktische, rein aufs Berufsleben ausgerichtete Ausbildung mit früher Spezialisierung durchläuft, der steht hingegen auf tönernen Füßen.

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