Donnerstag, 19. Januar 2012

Asche zu Asche

Viele Menschen in Deutschland würden gerne Bestattungen vornehmen (oder später selbst auf solche Weise beerdigt werden), wie sie in anderen Teilen der Erde gang und gäbe sind. Man denke nur an zahlreiche amerikanische Filme und Serien, in denen etwa Urnen mit Asche verstorbener Vorfahren auf dem Kamin stehen oder Asche über dem Hollywood-Schriftzug verstreut wird. Es gibt inzwischen sogar Unternehmen, die Weltraumbestattungen vornehmen. Doch in der Bundesrepublik sind solche innovativen Bestattungskonzepte kaum vorstellbar.

Das deutsche Bestattungsrecht ist zuerst einmal Ländersache (Art. 70 GG). Und diese üben ihr Gesetzgebungskompetenz nur sehr restriktiv aus. Dies zeigte zuletzt ein Urteil des VG Trier (Urteil vom 11. Oktober 2011, 1 K 990/11.TR). Denn nach rheinland-pfälzischem Recht (§ 4 BestG-RLP) sind selbst private Bestattungsplätze nur in sehr engen Ausnahmefällen möglich, von einem Verstreuen der Asche ganz zu schweigen.

In Bayern sieht das ganze nicht besser aus, sondern eher noch restriktiver: Der Art. 12 BayBestG lässt Bestattungen außerhalb von Friedhöfen nur zu, wenn ein wichtiger Grund dafür besteht, der gewünschte Bestattungsplatz den hohen Anforderungen genügt, die auch ein Friedhof erfüllen muss (Art. 9 BayBestG), die Ruhezeiten eingehalten werden können und überwiegende Belange Dritter nicht entgegenstehen.

Sieht man sich diese Regelungen an, überzeugen jedoch gerade in Bezug auf Urnen und Totenasche die Argumente für ein solch restriktives Bestattungsrecht, wie etwa Tade Matthias Spranger schon in der VR 5/2000 (Aufsatz im Volltext) kritisiert, nicht.

Eine Liberalisierung des Bestattungsrechts ist damit in naher Zukunft unbedingt geboten.

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